Der Aufstieg zum Häuptling
Cochise wurde vermutlich um 1810 im Gebiet der Chiricahua-Berge im heutigen Arizona geboren. Sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt, da die Apachen keine schriftlichen Aufzeichnungen führten. Er wuchs in einer Zeit auf, in der sein Volk in ständigen Konflikten mit mexikanischen und später amerikanischen Siedlern um das angestammte Land kämpfte.
Durch seine herausragenden Fähigkeiten als Krieger und seine natürliche Autorität stieg Cochise zum Anführer der Chokonen-Gruppe der Chiricahua-Apachen auf. Er galt als außergewöhnlich groß für einen Apachen - etwa 1,80 Meter - und wurde von Freund und Feind gleichermaßen respektiert.
Das Bascom-Affair: Der Beginn des Krieges
Im Januar 1861 ereignete sich der Vorfall, der Cochise zum unversöhnlichen Feind der Amerikaner machen sollte. Ein Junge namens Felix Ward war von einer Gruppe Apachen entführt worden. Leutnant George Bascom lud Cochise unter falschen Vorwänden zu Friedensverhandlungen in den Apache Pass ein.
Bei dem Treffen beschuldigte Bascom Cochise der Entführung - obwohl dieser unschuldig war. Als Cochise dies bestritt, versuchte Bascom, ihn festzunehmen. Cochise entkam, indem er mit seinem Messer die Zeltwand aufschlitzte, doch sechs seiner Verwandten wurden als Geiseln genommen und später gehängt.
Dieses Ereignis, bekannt als das „Bascom-Affair", entfachte einen Krieg, der über ein Jahrzehnt andauern sollte.
Der zehnjährige Guerillakrieg
Gemeinsam mit seinem Schwiegervater Mangas Coloradas führte Cochise einen erbitterten Guerillakrieg gegen amerikanische und mexikanische Siedler. Mit anfangs etwa 200 Kriegern terrorisierten sie den gesamten Südwesten.
Die Apachen nutzten ihre überlegene Kenntnis des Geländes meisterhaft aus. Die zerklüfteten Berge und Wüsten des Südwestens boten ideale Bedingungen für ihre Hit-and-Run-Taktik. Während des nordamerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865), als die US-Truppen im Osten gebunden waren, beherrschte Cochise praktisch den gesamten Südwesten der USA.
Die Schlacht am Apache Pass
Im Juli 1862 kam es zur Schlacht am Apache Pass, einem der größten Zusammenstöße zwischen Apachen und US-Truppen. Cochise und Mangas Coloradas stellten sich mit etwa 500 Kriegern einer Kolonne kalifornischer Freiwilliger entgegen.
Erst der Einsatz von Haubitzen konnte die Apachen zurückdrängen. Es war das erste Mal, dass Cochise erlebte, wie die technologische Überlegenheit der Amerikaner seinen Kriegern ernsthaft zusetzte.
Der Tod von Mangas Coloradas
Im Januar 1863 wurde Mangas Coloradas unter einer weißen Flagge zu Verhandlungen gelockt und hinterrücks gefangen genommen. In der Nacht wurde er von seinen Wächtern gefoltert und erschossen - angeblich „auf der Flucht". Sein Kopf wurde abgetrennt und zu wissenschaftlichen Zwecken nach Washington geschickt.
Der Tod seines Schwiegervaters und Verbündeten verstärkte Cochises Hass auf die Amerikaner noch weiter. Der Guerillakrieg ging mit unverminderter Härte weiter.
Der Frieden mit General Howard
Nach Jahren des Kampfes und angesichts der zunehmenden Übermacht der US-Truppen suchte Cochise schließlich nach einem Ausweg. Im Oktober 1872 traf er mit General Oliver O. Howard zusammen, einem Mann, der für seine faire Behandlung der Indianer bekannt war.
Mit Hilfe des Grenzgängers Tom Jeffords, einem der wenigen Weißen, die Cochises Vertrauen gewonnen hatten, wurde ein Friedensvertrag ausgehandelt. Den Chiricahua wurde eine große Reservation in ihrem angestammten Gebiet um den Apache Pass zugesprochen.
Die letzten Jahre
Cochise zog sich mit seinem Volk in die neu eingerichtete Chiricahua Reservation zurück. Tom Jeffords wurde zum Agenten der Reservation ernannt - ein ungewöhnlicher Schritt, der das besondere Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Männern widerspiegelte.
Am 18. Juni 1874 starb Cochise, vermutlich an Magenkrebs. Er wurde an einem geheimen Ort in den Dragoon Mountains beigesetzt. Sein genauer Begräbnisort ist bis heute unbekannt - ein letztes Geheimnis des großen Häuptlings.
Vermächtnis
Cochise gilt als einer der fähigsten militärischen Führer in der Geschichte der Indianerkriege. Seine Taktik des Guerillakrieges zwang die Vereinigten Staaten an den Verhandlungstisch und sicherte seinem Volk zumindest zeitweilig ein Leben in der Heimat.
Nach seinem Tod wurde die Reservation jedoch aufgelöst, und sein Sohn Taza sowie später Geronimo und Naiche setzten den Kampf fort - allerdings unter weit ungünstigeren Bedingungen.
