Tribal Casinos in den USA

Wirtschaftliche Selbstbestimmung durch Indian Gaming

Tribal Casino in den USA
Ein modernes Tribal Casino

Eine wirtschaftliche Revolution

Die wirtschaftliche Situation der indigenen Völker Nordamerikas hat sich seit den 1990er Jahren grundlegend gewandelt. Heute betreiben über 240 staatlich anerkannte Stämme mehr als 500 Spielstätten in 29 US-Bundesstaaten. Der Jahresumsatz der Branche beläuft sich auf über 40 Milliarden US-Dollar – mehr als Las Vegas und Atlantic City zusammen erwirtschaften.

Diese Entwicklung wäre ohne den Indian Gaming Regulatory Act (IGRA) von 1988 nicht möglich gewesen. Das Gesetz ermöglichte es federally recognized tribes, auf ihrem Reservatsland Glücksspieleinrichtungen zu betreiben – ein Privileg, das auf der verfassungsrechtlichen Souveränität der Stammesgebiete basiert.

Die rechtliche Grundlage: IGRA 1988

Der IGRA teilt Glücksspiel in drei Kategorien ein:

  • Class I: Traditionelle Stammespiele mit geringen Einsätzen – unterliegen ausschließlich der Stammeshoheit
  • Class II: Bingo und ähnliche Spiele – von Stämmen reguliert, mit bundesstaatlicher Aufsicht
  • Class III: Casino-Spiele wie Slots, Blackjack, Roulette – erfordern Verträge (Compacts) mit dem jeweiligen Bundesstaat

Die Einnahmen aus dem Indian Gaming müssen laut Gesetz für folgende Zwecke verwendet werden: Finanzierung der Stammesregierung, wirtschaftliche Entwicklung, Wohlfahrt der Stammesmitglieder, Spenden an gemeinnützige Organisationen und Unterstützung lokaler Regierungsbehörden.

Die größten Tribal Casinos

Foxwoods Resort Casino (Connecticut)

Casino Resort
Modernes Casino Resort

Das Foxwoods Resort Casino der Mashantucket Pequot in Connecticut war lange Zeit das größte Casino der Welt. Die Anlage umfasst über 340.000 Quadratmeter Spielfläche mit mehr als 5.500 Spielautomaten und 250 Spieltischen. Die Geschichte der Pequot ist bemerkenswert: Der Stamm war nach dem Pequot-Krieg von 1637 fast ausgelöscht worden und bestand in den 1970er Jahren nur noch aus wenigen Dutzend Mitgliedern.

Mohegan Sun (Connecticut)

Nur wenige Kilometer von Foxwoods entfernt betreiben die Mohegan das Mohegan Sun Casino. Mit über 300.000 Quadratmetern Fläche gehört es ebenfalls zu den größten Casinos Nordamerikas. Das Resort umfasst neben dem Casino auch eine 10.000 Plätze fassende Arena, in der regelmäßig Konzerte und Sportveranstaltungen stattfinden.

Seminole Hard Rock (Florida)

Die Seminole von Florida machten 2007 Schlagzeilen, als sie die internationale Hard Rock-Kette für 965 Millionen Dollar kauften. Das Seminole Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood, Florida, wurde 2019 um einen spektakulären gitarrenförmigen Hotelturm erweitert. Die Seminole sind heute einer der wohlhabendsten Stämme der USA.

Weitere bedeutende Tribal Casinos

  • WinStar World Casino (Oklahoma) – Chickasaw Nation, größtes Casino der USA nach Spielfläche
  • Pechanga Resort Casino (Kalifornien) – Pechanga Band of Luiseño Indians
  • San Manuel Casino (Kalifornien) – San Manuel Band of Mission Indians
  • Turning Stone Resort Casino (New York) – Oneida Indian Nation
  • Mystic Lake Casino (Minnesota) – Shakopee Mdewakanton Sioux Community

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Tribal Casinos haben tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen in den Reservaten. Die Einnahmen fließen in:

  • Bildungsprogramme: Stipendien, Schulen, Spracherhaltungsprogramme
  • Gesundheitsversorgung: Kliniken, Krankenversicherung, Suchtprävention
  • Infrastruktur: Straßen, Wohnungsbau, Wasser- und Stromversorgung
  • Kulturerhalt: Museen, Kulturzentren, traditionelle Zeremonien
  • Arbeitsplätze: Die Casinos beschäftigen über 700.000 Menschen, davon etwa 75% Nicht-Indianer

Kritische Perspektiven

Trotz der wirtschaftlichen Erfolge ist die Situation differenziert zu betrachten. Nicht alle Stämme profitieren gleichermaßen vom Indian Gaming:

  • Nur etwa ein Drittel der 574 federally recognized tribes betreibt Casinos
  • Der Erfolg hängt stark von der Lage ab – Casinos in der Nähe von Ballungszentren sind deutlich profitabler
  • Einige Stämme in abgelegenen Gebieten leben weiterhin in Armut
  • Die Frage der Spielsucht und ihrer sozialen Folgen wird kontrovers diskutiert

Historische Einordnung

Die Erfolgsgeschichte des Indian Gaming ist vor dem Hintergrund von Jahrhunderten der Enteignung und Marginalisierung zu sehen. Nach der gewaltsamen Vertreibung von ihrem Land, dem Bruch zahlloser Verträge und Jahrzehnten der Armut in Reservaten bieten die Casinos vielen Stämmen erstmals die Möglichkeit echter wirtschaftlicher Selbstbestimmung.

„Zum ersten Mal seit Jahrhunderten können wir selbst über unsere wirtschaftliche Zukunft entscheiden. Das Geld aus den Casinos gibt uns die Macht, unsere Kultur zu bewahren und unseren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten."

Die Tribal Casinos sind damit mehr als nur Spielstätten – sie sind ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit und den Überlebenswillen der indigenen Völker Nordamerikas.

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Hinweis zur Verwendung des Begriffs „Indianer"

Diese Website verwendet den Begriff „Indianer" als im deutschen Sprachraum etablierte Bezeichnung für die indigenen Völker Nordamerikas. Im Gegensatz zum Englischen oder Spanischen hat dieser Begriff im Deutschen keine abwertende Konnotation. Heute sind Bezeichnungen wie „Native Americans", „First Nations" oder „Indigene Völker" gebräuchlicher. Wir respektieren die Selbstbezeichnungen der einzelnen Nationen.