Aktuelles und Vergangenes

Wir sind Küstenindianer, aber wir haben keine Küste
Kalifornische Ureinwohner machen sich Hoffnung auf Grundstücke /
Stadt San Diego verklagt / Beispiel für neuen Trend
Von Bart Jansen Today

Ein Dutzend kalifornischer Ureinwohnervölker macht sich Hoffnungen auf Grundstücke in erster Lage an der Pazifikküste von San Diego. Die zum Teil bitter armen Gruppen haben die Stadt verklagt, weil sie Anspruch auf Land erheben, das einst der Marine als Übungszentrum diente. "Wir sind Küstenindianer, aber wir haben keine Küste", sagt Louis Gusassac, Mitglied der Mesa-Grande-Gruppe und gewählter Führer der Klägergemeinschaft der Kumeyaay-Indianer. Dumm nur, dass San Diego das Gelände bereits fest in seine eigenen Pläne einbezogen hat.
Die Klage ist Beispiel für einen neuen Trend: Ureinwohnervölker, die Anspruch auf ehemalige Militärbasen erheben. In den zahlreichen Stützpunkten, die geschlossen wurden, sehen sie Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung für sich. Schließen die Streitkräfte eine ihrer Basen, erhalten andere Bundesbehörden und die Ureinwohner das erste Zugriffsrecht. Wird deren Anspruch allerdings verworfen, bestimmt das Verteidigungsministerium einen örtlichen Ausschuss, der über die weitere Verwendung des Geländes entscheiden soll. Um mit finanzkräftigen Bauträgern mithalten zu können, fehlt den Indianern jedoch das Geld.
In Arizona erwarb die Gemeinschaft der Gila-River-Indianer südlich von Phoenix einen Golfplatz und einen zehnprozentigen Anteil an der Entwicklung der ehemaligen Williams-Air-Force-Base. 1995 einigte sich das Volk der Muckleshoot mit Vertretern der Stadt Seattle. Demnach erhält die Stadt den größten Teil der früheren Marinebasis Sand Point im Gegenzug für Bargeld und Hilfe bei der Wiederherstellung von Fischläufen in Flüssen. Von den 187.800 Hektar, die das Militär bislang aufgegeben hat, behielt die US-Bundesregierung in Washington nach offiziellen Angaben von 1999 allerdings mehr als die Hälfte. Staatliche und örtliche Behörden erhielten ein weiteres Drittel.
Der Drang nach Land ist besonders in Kalifornien akut, wo die meisten Reservate vergleichsweise klein sind. Die bedürftigsten Stämme können nicht genug Geld aufbringen um zu expandieren.

Und obwohl von Indianern betriebene Spielcasinos immer wieder in die Schlagzeilen gelangen, besaß 1996 lediglich ein Drittel der 558 Völker eine derartige Einnahmequelle. Und nur 54 von ihnen machten nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Indianerbehörde (BIA) Profite von mehr als 10.000 Dollar pro Stammesmitglied. "Die Öffentlichkeit macht sich falsche Vorstellungen", sagt Ron Allen, Vizepräsident des Nationalkongresses Amerikanischer Indianer.
Die Kumeyaay, die bis zur ihrer Vertreibung durch weiße Siedler im 19. Jh. etwa 10.000 Jahre im Süden des heutigen Staats Kalifornien lebten, standen in San Diego in Konkurrenz zu fünf Bundesbehörden, die ebenfalls einen Antrag auf Übertragung des 223 Hektar großen früheren Stützpunktes stellten. Das Verteidigungsministerium wies 1994 alle Ansprüche zurück und beauftragte den Stadtrat von San Diego. über die Nutzung des Landes zu entscheiden. Das Militär billigte später einen Plan des Stadtrats, die Fläche zur Stadtentwicklung, für Parks und einen Ausbau des Flughafens zu verwenden. Die Stadt hat bereits ein privates Bauunternehmen im Auge, das auf dem Gelände Wohnungen und Hotels für rund 140 Millionen Dollar errichten soll.
Die Stadt muss der US-Regierung darüber hinaus eine nicht näher genannte Summe für das Land zahlen. In vergleichbaren Fällen lagen die Zahlungen zwischen 350.000 und 70 Millionen Dollar, je nach Wert der Fläche und dem Aufwand des Militärs bei der Räumung.
Die Indianer hätten das Land dagegen kostenlos bekommen. Sie reichten daher Klage gegen San Diego und die US-Ministerien des Innern und der Verteidigung ein. Sie wollen erreichen, dass ein Richter die Stadt am weiteren Verfolgen der Pläne hindert und anordnet, dass der Antrag der Kumeyaay erneut geprüft wird. Auch sie würden das Gelände ähnlich bebauen wie die Stadt. Doch würde es vom Bund treuhänderisch für sie verwaltet, und sie würden es an die Bauträger verpachten. Dies würde der Stadt San Diego jährlich eine Million Dollar und den 5.000 Stammesmitgliedern jährlich insgesammt 30 Millionen Dollar einbringen.

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Ein Opfer in Kansas
26. Juni 1867
Der Photograph William Abraham Bell nahm diese (ACHTUNG! Für Jugendliche unter 18 und empfindliche Personen nicht geeignet) Szene bei Fort Wallace (Kansas) auf, wo er für den Kansas Pacific Survey arbeitete. Das Opfer, ein in der 7. Kavallerie dienender englischer Rekrut, war in einem Kampf mit einer Gruppe Cheyenne-Indianer getötet worden, die ihn entkleideten und seinen Körper verstümmelt hatten. Als man ihn fand, war er skalpiert, seine Kehle war durchgeschnitten, Rumpf und Schenkel tief aufgeschlitzt, und von seinem rechten Unterarm war das Muskelgewebe abgezogen worden. Eine Wunde in seiner Brust legte sein Herz frei. Zum Schluß war die Leiche mit Pfeilen durchschossen worden. Für die Indianer war es der Gipfel aller Demütigungen, einen Feind derart mißhandelt und entstellt ins Jenseits zu schicken.
Bell, ein ausgebildeter Arzt, zeichnete die Szene mit einem ungerührten, teilnahmslosen Auge auf. Er schickte Abzüge des Bildes nach Washington, damit, wie er sagte, "die Behörden sehen konnten, wie ihre Soldaten auf den Plains behandelt wurden". Ein Offizier der US-Armee, der Zeuge der Szene gewesen war, drückte sich weniger dezent aus, als er in Anspielung auf die damals eher tolerante Haltung der Regierung den amerikanischen Ureinwohnern gegenüber sagte, das Bild solle "unseren Freunden in Washington, den Indianeragenten, einfach einmal zeigen, mit was für Teufeln wir es hier zu tun haben!"
Erst nach mehr als einem Jahrzehnt weiterer Gemetzel zirkulierten annähernd vergleichbare Photographien von indianischen Opfern.

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Erdhörnchen sind vom Aussterben bedroht
Präriehunden geht es an den Kragen / Lebensraum der Nager wird immer kleiner / Schutz für Bestand
Von Heike SchmidtToday
DENVER - Die riesigen, frei umher ziehenden Büffelherden sind längst von den weiten Gras-Ebenen Nordamerikas verschwunden. Im neuen Jahrtausend geht es einem anderen, kleineren Vertreter des Wilden Westens an den Kragen: dem Präriehund. Noch um 1900, so berichtete der Zeitzeuge und Naturalist Ernest Thompson Seton (1860-1946), bevölkerten mindestens fünf Milliarden der etwa 30 Zentimeter großen und bis zu 1300 Gramm schweren Nager die nordamerikanischen Steppen.

Präriehund Ihren irreführenden Namen - eigentlich sind sie mit den Eichhörnchen verwandt - verdanken Präriehunde ersten europäischen Einwanderern, bei deren Anblick sie ihre typischen, wie Gebell klingenden Warnrufe ausstießen.
Nach Angaben der Naturschutz-Behörde Fish & Wildlife Service soll sich ihr Lebensraum um die Jahrhundertwende über 400.000 Quadratkilometer erstreckt haben - eine Fläche, die heute elf US-Bundesstaaten und Teile von Mexiko sowie Kanada umfasst. Höchstens ein Prozent dieses ursprünglichen Territoriums werde noch von Präriehunden besiedelt, stellt nun das nationale Forschungszentrum Northern Prairie Wildlife Research Center in Jamestown (North Dakota) fest. Um Weideland für Vieh und Siedlungsräume für Menschen zu erschließen, seien die Pelztiere - die tagsüber Gras und Insekten fressen und nachts in bis zu drei Meter tiefen, weit verzweigten Höhlen schlafen - systematisch verdrängt oder vergiftet worden.
Andere Kolonien fielen einer nach Nordamerika eingeschleppten Nagetier-Seuche zum Opfer. Insgesamt ging die Erdhörnchen-Population um 98 Prozent zurück, schätzt das Geologische Institut der USA, das U.S. Geological Survey. Von den fünf verschiedenen Arten ist der schwarz-schwänzige Präriehund noch am häufigsten verbreitet. Doch Tierschützer fürchten, dass auch er bald vom Aussterben bedroht ist, wenn er in einigen Bundesstaaten weiterhin offiziell als "Ungeziefer" oder als ohne Genehmigung jagbares Niederwild eingestuft wird. Im Juli 1998 reichte der Tierschutzverein National Wildlife Federation darum eine Petition ein, der die Fish & Wildlife-Behörde unlängst zustimmte. Sie befand, dass Präriehunde grundsätzlich als bedrohte Tierart geschützt werden sollte. Allerdings könne die Aufnahme in die Liste der bedrohten Arten frühestens in zwei Jahren erfolgen, erklärte Jill Parker vom Denver Wildlife-Büro. Leider seien die finanziellen Mittel begrenzt und Schutzmaßnahmen für andere Arten dringlicher. Ein Lichtblick für die Erdhörnchen: Neun Staaten haben sich für die Übergangszeit freiwillig verpflichtet, den Bestand zu schützen.
"Ein klarer Sieg für uns", jubelt Catherine Johnson, Sprecherin der National Wildlife Federation im Abschnitt Boulder in Colorado. Als enttäuschend bewertet sie es jedoch, dass neben North Dakota ausgerechnet ihr Heimatstaat den Schutz-Vertrag nicht unterzeichnet hat. Hier, wo ehrgeizig expandierende Vorgebirgsstaädte zu High-Tech-Hochburgen werden wollen, grenzen Präriehund-Sandhaufen oft unmittelbar an Neubau-Viertel für Fachkräfte. Damit der Zusammenstoß von Wildwest und Wirtschaftswelt nicht weiter Tausenden von Nagern das Leben kostet, hat der Tierschutz-Verein "Rocky Mountain Animal Defense" nun Klage eingereicht: Beim Bezirksgericht von Boulder wollen die Tierschützer erreichen, dass der Gifteinsatz gegen die "bellenden" Erdhörnchen gestoppt wird, um das Überleben der kleinen Repräsentanten des Wilden Westens zu sichern.

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PLENTY HORSES
07. Januar 1891
Plenty HorsesDie Geschichte des 22jährigen Brulé-Sioux namens Plenty Horses ("Viele Pferde") führt mit besonderer Drastik die verheerenden Auswirkungen vor Augen, die der Prozeß der "Zivilisierung" - die Erziehung in weißen Schulen und damit der Verlust der eigenen Tradition - auf einige Indianer haben konnte. Plenty Horses war in der 1882 gegründeten Carlisle School in Pennsylvania erzogen worden, die mit fanatischem Sendungsbewußtsein Kinder der Ureinwohner in weiße Musterbürger verwandeln wollte. Nach seinem Schulabschluß kehrte der junge Mann ins Rosebud-Reservat zurück, wo er die Aufstände von 1890-91 miterlebte.
Am 7. Januar 1891, während die Indianer und das Militär in der spannungsgeladenen Atmosphäre nach dem Massaker am Wounded Knee einander gegenüberstanden, ritt ein Leutnant namens E.W. Casey, der einen Trupp Armeescouts der Cheyenne kommandierte, mit einem dieser Scouts aus, weil er sich mit den Indianerführern treffen wollte. Häuptling Red Cloud schickte Casey eine Botschaft, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Er begürchtete, daß einige der jungen Krieger ihm etwas antun könnten, wenn er dem Lager zu nahe käme. Nicht weit vom Hauptlager entfernt machte Casey halt, um sich mit einigen Indianern zu unterhalten. Plenty Horses schloß sich mit einem Freund, der zufällig des Weges kam, dieser Unterhaltung an. Als Casey sich aufmachen wollte, erhob Plenty Horses sein Gewehr und schoß ihm völlig unerwartet von hinten eine Kugel durch den Kopf.
Während seines Mordprozesses erklärte Plenty Horses seine scheinbar sinnlose Tat: "Ich bin ein Indianer. Fünf Jahre lang habe ich Carlisle besucht und wurde wie ein Weißer erzogen. Ich war einsam. Ich erschoß den Leutnant, um mir einen Platz unter meinem Volk zu verschaffen. Jetzt bin ich einer von ihnen. Ich werde gehängt werden, und die Indianer werden mich als Krieger bestatten. Sie werden stolz auf mich sein. Ich bin zufrieden." Die Mordanklage gegen Plenty Horses wurde aufgehoben, da das Gericht seine Tat als Kriegshandlung bewertete.

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