DER FRANZÖSISCH-INDIANISCHE KRIEG

Kämpfe

Für die meisten der indianischen Nationen des Appalachen-Grenzgebietes und des Ohio-Tals war der 1754 beginnende Konflikt, den die Engländer "French an Indian War" nannten, kaum mehr als eine Fortsetzung der Unruhen, die die Stämme und ihre Beziehungen sowohl untereinander als auch mit der expandierenden weißen Bevölkerung erschütterten.
Letztlich war dieser Konflikt, der nach jahrelangen Kleinkriegen und Scharmützeln zwischen den Briten, ihren Kolonien und indianischen Verbündeten einerseits, den Franzosen und mit ihnen verbündeten Stämmen andererseits zum Ausbruch kam, ein Kampf dieser beiden europäischen Mächte um den Besitz Nordamerikas. Die meisten Stämme erkannten, daß sie bei diesem Krieg nichts gewinnen würden, und versuchten, neutral zu bleiben; viele konnten es jedoch nicht vermeiden, als Hilfstruppen der einen oder anderen Seite eingesetzt zu werden.
Der Unmittelbare Anlaß des Krieges waren Forts, die die Franzosen am oberen Ohio erichten wollten - ein großes Gebiet, das auch von Virginia und der britischen Krone beansprucht wurde. Diese hatte eine halbe Million Acres (2023,4 km²) des Areals der Ohio Company zugesprochen, um dort englische Siedlungen zu errichten. Die französischen Offiziere bestanden jedoch darauf, daß das Ohio-Tal Frankreich gehöre, das es für "eine freie und sichere Passage" von seinen zentralen Besitzungen in Ostkanada zu jenen am Mississippi brauche; sie nahmen kein Blatt vor den Mund und behaupteten, daß "es unser Entschluß ist, den Ohio in Besitz zu nehmen - und das werden wir bei Gott auch tun!"
Im Winter 1753/54 schickte Virginia den einundzwanzigjährigen Inspektor und Milizoffizier George Washington in diese Gegend, um die französischen Erbauer der Forts zum Verlassen des Gebietes aufzufordern. Sein Versuch mißlang, aber fast ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß sowohl Washington selbst als auch die französischen Offiziere, mit denen er verhandelte, besorgt waren, inwieweit ihre jeweiligen indianischen Verbündeten sie bei eventuellen Feindseligkeiten tatsächlich unterstützen würden. Im Tal des Ohio hielten sich viele Gruppen aus unterschiedlichen Stämmen auf, von denen manche die Engländer, andere die Franzosen favorisierten. Doch die meisten waren Flüchtlinge, die mit Duldung des Bundes der Haudenosaunee (der wie England und Frankreich ebenfalls das Ohio-Gebiet für sich beanspruchte) dort lebten, und für sie war es schwierig, unabhängig von den Irokesenhäuptlingen zu agieren. Da der Bund in den Zwist der Weißen nicht eingreifen wollte, bereitete es den beiden europäischen Mächten große Probleme, indianische Gruppen für sich zu gewinnen.

Ein mächtiger Häuptling der Seneca namens Tanacharison, der außerdem Sprecher des Bundes für die irokesischen Siedler im Ohio-Gebiet und Aufseher der abhängigen Delaware-Flüchtlingsgruppen in der Region war, schlug vor Washingtons Eintreffen dem französischen Kommandanten vor, Franzosen und Engländer sollten sich beide aus dem Gebiet zurückziehen und es dem Bund als eine Art Pufferzone zwischen den beiden Mächten überlassen. Darauf verlor der französische Offizier die Fassung und schrie den würdevollen Staatsmann der Seneca an: "Ich habe keine Angst vor Fliegen und Moskitos, denn genau das sind die Indianer. Ich sage dir, daß ich diesen Fluß, den Ohio, hinunterfahren werde. Falls er versperrt ist, habe ich genug Soldaten, ihn zu öffnen und alle, die sich mir widersetzen, zu zertreten. Ich verachte die Dummheit, die du von dir gegeben hast." Dann schleuderte er Tanacharison verächtlich eine Wampum-Schnur ins Gesicht.
Als Washington eintraf, wurde er von dem beleidigten Seneca-Häuptling freundlich empfangen und erhielt die Zusicherung, daß die Indianer den Engländern wohlgesonnen seien. Eine weitere Kränkung leisteten sich die Franzosen, als einer ihrer Offiziere Tanacharison in Washingtons Gegenwart so betrunken machen wollte, daß er nicht mehr imstande sein würde, Washington wie versprochen zu begleiten. Somit würde er bei den Franzosen bleiben müssen, die ihn dann womöglich überreden könnten, den französischen Streitkräften irokesische Hilfstruppen zur Verfügung zu stellen. Doch der Versuch scheiterte, und der Häuptling reiste mit Washington weiter.
Doch die Freundschaft des Seneca bedeutete nicht unbedingt eine militärische Unterstützung der Engländer durch den Irokesen-Bund. Washington kehrte zur Regierung von Virginia zurück mit der Sorge, die Franzosen könnten Indianer aus Kanada und aus dem Westen anmustern, während die Irokesen und die von ihnen beherrschten Stämme die Engländer im Stich ließen. "Ohne Indianer, die wir den Indianern gegenüberstellen können, haben wir nur weinig Chancen auf Erfolg", sagte er dem Gouverneur von Virginia.

Im April 1754 kehrte Washington mit 120 Mann ins Ohio-Tal zurück, um eine Gruppe von vierzig Männern aus Virginia zu beschützen, die an den strategisch wichtigen Gabelungen des Flusses - an der Stelle des heutigen Pittsburgh - ein englisches Fort errichten sollten. Tanacharison war den Engländern nach wie vor wohlgesonnen und hatte sich dem Trupp angeschlossen, um seinen Rat und - für den Fall einer französischen Intervention - die Unterstützung seiner Krieger anzubieten, hauptsächlich Seneca-Emigranten, die mit dem Delaware-Wort Mingo ("die Verstohlenen") bezeichnet wurden. Doch bevor Washington sein Ziel erreichte, erschien an den Gabelungen eine überlegene französische Einheit von 500 Mann mit indianischen Hilfstruppen. Die kleine Gruppe aus Virginia mußte ihren Posten aufgeben, und die Franzosen benannten das Fort nach ihrem militärischen Oberbefehlshaber in Nordamerika in Fort Duquesne um.
Tanacharison und seine Krieger schlossen sich wieder Washington und seiner Miliz an und überfielen mit ihnen das Lager einer kleinen französischen Abteilung, wobei sie den Befehlshabenden und neun seiner Männer töteten. Als die französischen Stellen dies erfuhren, machten sie aus dieser Episode eine internationale Kontroverse, die vielfach als das Ereignis bezeichnet wurde, das letztendlich den Französisch-Indianischen oder Siebenjährigen Krieg auslöste.

An einem Ort namens Great Meadows errichtete Washington einen eigenen Posten, den er Fort Necessity nannte. Doch der Platz war schlecht gewählt. Das Fort lag in einer Senke und war auf drei Seiten von bewaldeten Hügeln umgeben. Bevor der Seneca sich von Washington trennte, riet er ihm von einer Benutzung des Forts ab, und dieser Rat sollte sich als richtig erweisen.
Am 4. Juli 1754 griff eine französische Armee von 650 Mann - reguläre Truppen und Indianern - Fort Necessity an. Die französischen Soldaten waren von ihren Offizieren angestachelt worden, Washingtons "Mord" an der angeblichen französischen Gesandtschaft zu rächen. Die Franzosen hatten vor allem von Indianern aus Kanada Unterstützung gewinnen können, mit denen sie Handel trieben oder die unter dem Einfluß französischer Missionare standen - Wyandot, Ojibway, Abenaki, Nipissing, Odawa, Algonkin sowie Irokesen aus französischen Missionsstationen bei den Onondaga und Mohawk. Nach einem Tag ergebnisloser Kämpfe bei strömendem Regen teilten die Indianer dem französischen Kommandanten jedoch mit, daß sie am nächsten Tag nach Hause ziehen würden. Die Franzosen boten Washington daraufhin ehrenvolle Kapitulationsbedingungen an. Da Washington einer Belagerung nicht standhalten konnte, übergab er sein Fort und marschierte nach Virginia zurück.

Im darauffolgenden Jahr konnten die Franzosen in Fort Duquesne noch einmal mit Hilfe indianischer Verbündeter eine ernstliche englische Bedrohung im Ohio-Gebiet abwenden: Am 9. Juli 1755 trugen Hunderte von Kriegern der Odawa, Ojibway, Miami, Potawatomi, Menominee, Shawnee, Huronen, Delaware und profranzösische Seneca maßgeblich dazu bei, Generalmajor Edward Braddocks rotröckige Grenadiere aus den tiefen Wäldern am Monongahela River zu vertreiben.
Braddock, der mit Beleidigungen der Stämme nicht sparte, hatte neben seiner Truppe nur acht Indianer dabei. Vor seinem katastrophalen Marsch durch die Wildnis, um Fort Duquesne zurückzuerobern, hatte er unbeabsichtigt die Flüchtlingsgruppen der Shawnee und Delaware veranlaßt, das Kriegsbeil gegen die Engländer auszugraben, indem er Shingas, dem Oberhäuptling der Delaware, in seiner arroganten Art mitteilte, nachdem er die Franzosen aus dem Ohio-Gebiet vertrieben habe, würden nur noch Engländer - und "kein Wilder" - dieses Land bewohnen. Nach Braddocks Niederlage brauchten die Briten noch einmal drei Jahre, bis sie das Gebiet in Besitz nehmen konnten. 1758 baute eine neue, große Armee unter Brigadegeneral John Forbes mit der Hilfe mehrerer Gruppen von Irokesen, Catawba und Cherokee, die sich für die Seite der Engländer hatten gewinnen lassen, eine Straße über die zerklüfteten, bewaldeten Berge von Pennsylvania und drang bis Fort Duquesne vor. Die zahlenmäßig unterlegenen Franzosen verbrannten das Fort und zogen ab. Die Briten bauten an den Gabelungen des Ohio sofort einen neuen Posten und benannten ihn nach ihrem Premierminister William Pitt.

Kanagagota Die englischen Siedler an der offenen Grenze nach Westen waren durch Braddocks Niederlage jedoch den Franzosen und ihren indianischen Verbündeten ausgesetzt und gaben ihr Land auf. Daraufhin wurde eine Abordnung an die Cherokee geschickt, die den Engländern seit langem freundlich gesinnt waren, mit der Bitte, beim Schutz Virginias gegen die Shawnee und andere profranzösische Stämme zu helfen.
Die Cherokee, eine der größten und mächtigsten Nationen des Ostens, lebten in Dörfern, die über Teile South Carolinas, das nördliche Georgia, das westliche North Carolina und Teile von Virginia, Kentucky, Tennessee und Alabama verstreut waren. Jahrelang hatten sie durch ihre Stärke und ihre große Entfernung zu den küstennahen Kolonien der Europäer unbehelligt unter ihrer traditionellen Führung weitergelebt. Von ihrer Hauptstadt Echota aus regierten sie mit einer Mischung aus einer auf den Clans gründenden Demokratie und präkolumbischen religiösen Doktrinen des Mississippi-Gebiets.
Zu Beginn des Krieges versuchten französische Agenten, die häufig mit befreundeten Creek zusammenarbeiteten, die Cherokee zu einem Angriff auf die Engländer zu überreden. Aber obwohl viele Cherokee Beschwerden über die englischen Händler vorbrachten und innerhalb des Stammes eine profranzösische Fraktion unter Führung von Man Killer, dem einflußreichen Häuptling der Stadt Tellico, entstand, blieb der Großteil des Volkes seinem Oberhäuptling Old Hopp of Chote (Kanagagota - Standing Turkey) treu, der sich für die Loyalität mit den Engländern entschieden hatte.

Wie die Irokesen versuchten auch die Cherokee im Krieg des weißen Mannes zunächst, neutral zu bleiben. Allerdings litten auch sie unter den Einfällen der Shawnee und anderer Stämme in die Grenzgebiete, die sie eifersüchtig als ihren Besitz betrachteten und nicht etwa als jenen der Kolonie Virginia, der Franzosen oder von irgend jemandem sonst. Nach Braddocks Niederlage versprachen sie bei Treffen mit englischen Unterhändlern, Krieger zur Verteidigung der Grenze Virginias zu schicken. Als Gegenleistung erhielten sie von den Engländern die Zusicherung, daß diese im Grenzgebiet Forts bauen würden, um die Cherokee vor ihren Feinden zu schützen.

Fort Loudoun Diese auf archäologischen Ausgrabungen basierende Zeichnung zeigt Fort Loudoun, das die Briten 1756 bauten, um die Cherokee vor den Franzosen zu schützen. Nach der Errichtung dieses Postens kam es jedoch zu Ausschreitungen von seitens der Engländer, die viele Cherokee veranlaßten, sich den Franzosen zuzuwenden, und schließlich eroberten ihre Krieger das Fort.
Um ihr Versprechen einzulösen, errichteten die Engländer 1756 zum Schutz des Territoriums der Cherokee Fort Loudoun. Aber eine Reihe grober Verstöße englischer Siedler gegen Cherokee in deren eigenem Gebiet, dazu Ressentiments und Vorurteile britischer Offiziere gegen die Indianer sowie der Zorn über fortgesetzte Betrügereien englischer Händler brachten die ohnehin geringe Bereitschaft der Indianer, sich an dem Kampf der Europäer zu beteiligen, entgültig zum Erliegen. Als die Cherokee 1758 Krieger zur Unterstützung von General Forbes´ Marsch auf Fort Duquesne nach Pennsylvania schickten, desertierten fast alle, noch bevor der Feldzug begonnen hatte.
Inzwischen nahmen im Land der Cherokee die Spannungen zu, und ihre Beziehungen zwischen ihnen und den Engländern gerieten außer Kontrolle. Auf Morde an Indianern folgten tödliche Überfälle auf weiße Familien, deren Häuser und Ernten in Flammen aufgingen. Bewaffnete Scharmützel zwischen Cherokee-Kriegern und englischen Milizen häuften sich, da ein Übergriff der einen Seite jeweils einen Racheakt der anderen nach sich zog.

Im Oktober 1759 führte Oconostota, der Kriegshäuptling der Upper Cherokee und ein getreuer Freund der Engländer, einunddreißig bedeutende Häuptlinge nach Charles Town in der Hoffnung, die Lage zu entschärfen. Doch anstatt die Delegation zu empfangen, ließ der Gouverneur von South Carolina die Männer verhaften und in das neue Fort Prince George bringen.
Als andere probritische Häuptlinge der Cherokee um die Freilassung der Gefangenen baten, die die Engländer inzwischen als "Geiseln" bezeichneten, erklärte sich der Gouverneur einverstanden, Oconostota und einige andere aus der Haft zu entlassen, aber nur im Austausch gegen andere Indianer - die er sofort hinrichten ließ. Das brachte das Faß zum Überlaufen. Wütende Cherokee-Kämpfer begannen den lang angedrohten Krieg, indem sie Fort Prince George belagerten und von Virginia bis Georgia Grenzdörfer angriffen.
Nach der erfolgreichen Verteidigung einer Stellung, bei der mehrere Cherokee den Tod fanden, schrieb der Milizkommandant dem Gouverneur von South Carolina: "Wir hatten im Kampf das Vergnügen, mehrere unserer Feinde fallen zu sehen; und nun haben wir das Vergnügen, Sir, unsere Hunde mit ihren Kadavern zu mästen und ihre Skalps schön geschmückt auf dem Dach unserer Bastion zur Schau zu stellen." Inzwischen töteten die Belagerer von Fort Prince George den Kommandanten, woraufhin die aufgebrachte Garnison als Rache die gefangenen Häuptlinge ermordete, einige von ihnen sogar, während sie in Ketten lagen.

Als der Krieg 1760 mit unverminderter Härte weitertobte, sandten die Briten 1200 Soldaten nach South Carolina. Die Armee marschierte durch das Land der Cherokee, plünderte und brandschatze Dörfer, Felder, Kornspeicher und Obstgärten, tötete einige Cherokee und nahm mehrere gefangen. In der Nähe der heutigen Stadt Franklin in North Carolina verwickelten Cherokee-Krieger die Truppen in eine Schlacht, töteten zwanzig Soldaten und zwangen - obwohl sie schließlich selbst aufgaben - das Royal Scot and Highland-Regiment zum Rückzug.
Nach der Belagerung von Fort Prince George verließen die meisten britischen Truppen die Carolinas. Zwischenzeitlich eroberten Krieger der Cherokee unter Führung von Oconostota Fort Loudoun. 1761 schickten die Briten neue Truppen ins Land, die mit Hilfe der Chickasaw eine große Streitmacht der Cherokee besiegten. Daraufhin marschierten sie noch einmal durch das Land der Cherokee, legten fünfzehn Orte in Schutt und Asche und verbrannten noch einmal die Felder und Kornspeicher der Indianer. Über fünftausend Cherokee flohen in die Berge, wo sie vom Hungertod bedroht waren. Ein neuer Gouverneur, der im November 1761 mit Friedenshäuptlingen der Cherokee konferierte, beendete schließlich den Krieg.

Inzwischen hatten sich die Engländer auch an einer anderen Front des Französisch-Indianischen Krieges stark engagiert - sie hatten versucht, gegen die Franzosen die Unterstützung des Bundes der Haudenosaunee im heutigen Staat New York zu gewinnen. Betrügereien um Land, die herablassende Haltung der Briten, Berichte über eine bessere Behandlung durch die Franzosen und zahlreiche territoriale Konflikte mit den verschiedenen englischen Kolonien hatten das ursprüngliche Wohlwollen des Bundes für die Briten verschlissen. 1754 trafen sich in Albany Beauftragte der meisten einglischen Kolonien mit den Führern der Irokesen unter dem Vorwand, die Beschwerden der Indianer besprechen zu wollen. Statt dessen rangelten die Delegierten untereinander um Vorteile für ihre Kolonien und ersannen schlaue neue Verträge um Land, die den Stämmen noch mehr Grund zur Sorge bereiteten.
Hendrick Der fast achtzigjährige Mohawk Chief Hendrick hielt vor den Beauftragten jedoch eine ernste Rede. Er sagte ihnen, während die Engländer "uns den Rücken zukehren und uns mißachten", den Indianern das Land wegnähmen und die Krieger mit Rum betrunken machten, würden die Franzosen, "ein feinfühliges und vorsichtiges Volk, immer alles unternehmen, um unsere Leute zu überreden und auf ihre Seite zu ziehen". Im weiteren wies Hendrick auf die Stärke hin, die die Einheit des Bundes den Stämmen der Irokesen gebracht habe, und drängte die Kolonien, dem Beispiel der Irokesen zu folgen und sich gegen die Franzosen zu einem Bund zu vereinen.
Dieser Gedanke war Benjamin Franklin, einem der Delegierten von Pennsylvania, nicht neu; er hatte sogar einen eigenen Plan für einen Zusammenschluß der Kolonien nach Albany mitgebracht. Franklin bewunderte den Irokesenbund, der sein Denken zweifellos beeinflußt hatte. "Es wäre eigenartig", schrieb er, "wenn sechs Nationen (die Tuscarora waren inzwischen dem Bund beigetreten) unwissender Wilder fähig sein sollten, eine solche Union zu bilden, die über Jahre Bestand hat und unauflösbar erscheint; daß ein ähnlicher Zusammenschluß für zehn oder zwölf engliche Kolonien, für die er notwendiger ist und mehr Vorteile birgt und denen es wohl nicht an einem ähnlichen Wissen um ihre Interessen ermangeln kann, nicht machbar sein sollte." Aber obwohl der Albany Congress für Franklins Unionsplan stimmte, wurde er von keiner der Kolonien ratifiziert.

Einige Gruppen der Irokesen gingen während des Krieges ihren eigenen Weg. Von den Franzosen beeinflußte Mohawk, Onondaga und Seneca schickten Krieger gegen die Engländer, während in der Ohio-Region die westlichen, nicht dem Bund angehörigen Seneca (oder Mingo) George Washington unterstützten. Sogar der alte Hendrick selbst, ein guter Freund und angeheirateter Verwandter von Sir William Johnson, dem britischen Beauftragten für Indianerfragen im nördlichen Staat New York, schloß sich aktiv der englischen Seite an; er stellte Johnson im Sommer 1755 vierhundert Mohawk-Krieger zum Einsatz gegen die Franzosen im Champlain Valley zur Verfügung. In Lake George blickte der alte Mann am Vorabend einer Schlacht gegen eine große französische Einheit und ihre indianischen Verbündeten auf seine Krieger und bemerkte: "Zum Kämpfen sind sie zu wenige; zum Sterben zu viele." Johnson gewann die Schlacht, doch Hendrick und viele seiner Männer kamen dabei um.

In dieser Zeit mußten sich die Führer des Bundes der Haudenosaunee mit einer Krise im eigenen Lager befassen. Die Irokesen waren nicht zuletzt aufgrund der strategischen Lage ihres Herrschaftsgebietes zwischen den Einflußbereich der Franzosen und der Engländer reich und mächtig geworden; sie hatten die beiden europäischen Rivalen gegeneinander ausgespielt, die Rolle einer neutralen dritten Macht übernommen und jeder Seite damit gedroht, sich gegebenenfalls der enderen anzuschließen oder sie zu begünstigen. Mit der Niederlage und dem Rückzug Frankreichs aus Nordamerika veränderte sich diese Situation.
Umgeben von britischen Forts und ohne eine zweite europäische Macht im Rücken hatte der Irokesenbund eine bedeutende diplomatische Waffe eingebüßt.

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